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Umwelt - Kernindikatorensystem -
Ressourcennutzung und Abfallwirtschaft -
Bodenressourcen -
Flächeninanspruchnahme
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Letzte Aktualisierung: |
Thema: |
Ressourcennutzung und Abfallwirtschaft |
Unterthema: |
Bodenressourcen |
Indikator: |
Flächeninanspruchnahme
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Fachliche Bewertung
2009 belegte die Siedlungs- und Verkehrsfläche 47 422 km² oder 13,3 % der Bodenfläche Deutschlands. Davon entfielen 29 566 km2 oder 8,3 % auf die Siedlungsfläche und 17 856 km² oder 5,0 % auf die Verkehrsfläche.
Gegenüber dem 4-Jahres-Zeitintervall 1997-2000 ist die tägliche Flächeninanspruchnahme für Siedlungs- und Verkehrszwecke im 4-Jahres-Zeitintervall 2006-2009 von 129 ha auf 94 ha zurückgegangen, befindet sich aber weiterhin auf zu hohem Niveau.
Bundesweit ist dabei vor allem die Zunahme der Gebäude- und Freiflächen deutlich rückläufig. Im oben genannten Zeitraum von 1997 bis 2009 sank sie von 78 ha pro Tag auf 32 ha pro Tag.
Die Zunahme der Verkehrsflächen liegt zwar niedriger als die Zunahme der Siedlungsflächen. Sie blieb jedoch mit rund 23 ha pro Tag seit 1993, also seit fast 20 Jahren, konstant.
Das scheinbar starke Wachstum der Erholungsflächen beruht hingegen zum größten Teil auf statistischen Artefakten infolge der Umstellung der Klassifizierungsmethoden in den Flächenkatastern der neuen Bundesländer (insbesondere durch Eingruppierung von ehemaligen Truppenübungsplätzen oder von „Gartenland / Grabeland“ als „Erholungsflächen“) und sollte derzeit nicht interpretiert werden
Der Rückgang des Zuwachses der Gebäude- und Freiflächen beruht im Wesentlichen auf einem konjunkturell begründeten Rückgang der Bauinvestitionen. Eine wirkliche Trendumkehr ist damit nicht gesichert. Im Falle einer Konjunkturbelebung ist mit einem erneuten Anstieg zu rechnen. Um die tägliche Zunahme der Siedlungs- und Verkehrsfläche bis 2020 auf 30 ha pro Tag zu reduzieren, ist eine umfassende Neuorientierung der Siedlungs- und Verkehrspolitik auf den Ebenen von Bund, Ländern und Kommunen erforderlich.
Die Siedlungs- und Verkehrsfläche ist etwa zur Hälfte versiegelt. Auf der Grundlage der nationalen Ergebnisse der Flächenerhebung in Kombination mit Versiegelungsstudien in mehreren Bundesländern kommt der Länderarbeitskreis für Bodenschutz (LABO) in einer neueren Hochrechnung im Durchschnitt von 15 Bundesländern auf einen mittleren Versiegelungsgrad der Siedlungs- und Verkehrsflächen von 46 %. Das sind rund 2,14 Millionen Hektar (Mio. ha) oder 6,0 % des Bundesgebietes.
Bedeutung
Der Indikator „Flächeninanspruchnahme“ bildet das Beeinträchtigungspotenzial hinsichtlich der naturnahen Räume und der natürlichen Bodenfunktionen durch Versiegelung und Zersiedelung ab. Darüber hinaus signalisiert er auf hoch aggregierter Ebene die Abweichung von nachhaltigem Wohn-, Konsum- und Mobilitätsverhalten.
Der Umgang mit dem Boden soll in qualitativer und quantitativer Hinsicht so erfolgen, dass er auch kommenden Generationen mit ausreichender Optionsvielfalt zur Verfügung steht. In einem dicht besiedelten Land wie Deutschland ist es von vitalem Interesse, den Boden in seinen ökologischen Funktionen als Lebensgrundlage und Lebensraum für Menschen, Tiere und Pflanzen und als Bestandteil des Naturhaushalts mit seinen Wasser- und Stoffkreisläufen zu erhalten. Gleichzeitig gilt es, die vorhandene und künftige Flächennutzung im Sinne der Nachhaltigkeit für vielfältige Funktionen, zum Beispiel für Siedlung, Erholung und Verkehr, für die Erzeugung von Lebensmitteln und nachwachsenden Rohstoffen, für wirtschaftliche und öffentliche Nutzungen sowie Naturschutzzwecke weiter zu entwickeln.
Nachhaltige Flächennutzung zielt daher sowohl auf eine Verringerung der zusätzlichen Flächeninanspruchnahme und effiziente Nutzung vorhandener Flächen als auch auf eine Aufwertung von Flächen in ökologischer Hinsicht.
Methodik der Indikatorenbildung
Unmittelbare Erhebung der Siedlungs- und Verkehrsfläche aus den Grundstückskatastern im Rahmen des Agrarstatistikgesetzes, und zwar jährlich nach Grobkategorien und alle 4 Jahre nach Feinkategorien der Nutzungsarten.
Die Differenz der Siedlungs- und Verkehrsfläche zum Vorjahr wird zu den Tagen des jeweiligen Jahres ins Verhältnis gesetzt. Angesichts starker Schwankungen in Einzeljahren werden darüber hinaus gleitende 4-Jahres-Mittelwerte gebildet, um die Darstellung von Trends zu verstetigen.
Die Siedlungs- und Verkehrsfläche setzt sich aus Gebäude- und Freifläche (51,7 %), Verkehrsfläche (37,7 %), Erholungsfläche (8,2 %), Betriebsfläche ohne Abbauland (1,7 %) und Flächen für Friedhöfe (0,8 %) zusammen (Stand 31.12.2009).
Bewertungsgrundlagen
Bundesregierung, Perspektiven für Deutschland. Unsere Strategie für eine nachhaltige Entwicklung, Berlin 2002, S. 71: Abnahme der Flächeninanspruchnahme für Siedlungs- und Verkehrszwecke von 130 ha pro Tag im Jahr 2000 auf 30 ha pro Tag im Jahr 2020.
Das Umweltbundesamt befürwortet darüber hinaus für das Jahr 2010 ein Zwischenziel von 80 ha pro Tag und von 55 ha pro Tag für das Jahr 2015.
Rat für nachhaltige Entwicklung, Ziele zur Nachhaltigen Entwicklung in Deutschland – Schwerpunktthemen. Dialogpapier des Nachhaltigkeitsrates: In der Gesamtbilanz keine zusätzliche Flächeninanspruchnahme für Siedlungen und Verkehr ab dem Jahr 2050.
Der Bericht der Umweltministerkonferenz
vom 30.3.2010 gibt einen aktuellen Gesamtüberblick über die Thematik.
Maßnahmen zur Zielerreichung
Angesichts der anhaltenden Dominanz der Siedlungsentwicklung für die Flächeninanspruchnahme sollten Maßnahmen- und Instrumentenvorschläge sich vorrangig auf die Dämpfung der Siedlungsentwicklung und der damit verbundenen Verkehrserschließung konzentrieren. Zielführend ist auch die Nutzung der vielerorts vorhandenen Brachflächenpotenziale. Insgesamt ist eine Vielzahl aufeinander abgestimmter Maßnahmen erforderlich, um auf Dauer eine wirksame Reduzierung der Inanspruchnahme immer neuer Flächen für Siedlungszwecke zu erreichen.
Vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung mit einer zunehmenden Ausbreitung von Regionen mit schrumpfender Bevölkerung, während die Zahl und Ausdehnung der Wachstumsinseln sich immer mehr verringert, ist eine sparsame Flächeninanspruchnahme auch ein Beitrag zu einer nachhaltigen Wirtschafts- und Finanzpolitik, denn teure, künftigen Entwicklungen nicht angepasste Fehlinvestitionen können vermieden werden. Vorausschauend sollte auch zügig eine konsequente Weiterentwicklung von zielführenden planerischen, rechtlichen und ökonomischen Instrumenten und ihre Umsetzung in der Praxis vorangetrieben werden. Dazu bereitet UBA derzeit auch einen überregionalen Modellversuch zum Handel mit Flächenzertifikaten vor.
Eine ausführliche Darstellung weiterer Ziele zur Förderung der Innenentwicklung, der Altlasten- und Brachflächenaktivierung, der Schutzgebietssicherung, der Entsiegelung sowie weiterer Aspekte ist in den nachfolgend genannten, weiterhin gültigen, Veröffentlichungen des Umweltbundesamts enthalten.
Vorschlag des Umweltbundesamtes: Reduzierung der Flächeninanspruchnahme durch Siedlung und Verkehr – Strategiepapier des Umweltbundesamtes (ISBN 3-503-07852-5, Erich Schmidt Verlag, Berlin, 2004)
Vorschlag des Umweltbundesamtes: Reduzierung der Flächeninanspruchnahme durch Siedlung und Verkehr – Materialienband (UBA-Texte 90/03, Berlin, Dezember 2003)
Kommission Bodenschutz beim Umweltbundesamt: Flächenverbrauch einschränken – jetzt handeln. Empfehlungen der Kommission Bodenschutz beim Umweltbundesamt.
Diese enthalten auch eine Vielzahl von Vorschlägen zur zielgerichteten Weiterentwicklung planerischer und ökonomischer Instrumente zur Verminderung der Flächenneuinanspruchnahme.
Rechtsgrundlagen
Raumordnungsgesetz (ROG) vom 18. August 1997, neu gefasst am 22.12.2008 (BGBI. I, S. 2986)
Baugesetzbuch (BauGB) in der Fassung der Bekanntmachung vom 23. September 2004 (BGBl. I S. 2414), das zuletzt durch Artikel 4 des Gesetzes vom 12. April 2011 (BGBl. I S. 619) geändert worden ist.
DPSIR-System
Zuordnung des Indikators
Pressure (Belastung)Verwandte Themen |
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|---|---|
| D | Modal Split der Personenverkehrsaufwandes |
| I | Fläche und Anzahl unzerschnittener verkehrsarmer Räume |
| R | Transportintensität für den Personen- und Güterverkehr |

