-
Umwelt - Kernindikatorensystem -
Ressourcennutzung und Abfallwirtschaft -
Bodenressourcen -
Flächeninanspruchnahme
|
|
Letzte Aktualisierung: |
Thema: |
Ressourcennutzung und Abfallwirtschaft |
Unterthema: |
Bodenressourcen |
Indikator: |
Flächeninanspruchnahme |
Fachliche Bewertung
2007 belegte die Siedlungs- und Verkehrsfläche 46 789 km² (entspricht 4 678 900 ha) oder 13,1 % der Bodenfläche Deutschlands (357 104 km² entspricht 35 710 400 ha). Davon entfallen 29 074 km2
oder 8,1 % auf die Siedlungsfläche und 17 715 km² oder 5,0 % auf die Verkehrsfläche.
Gegenüber dem Zeitraum 1997-2000 ist die tägliche Flächeninanspruchnahme zum Zeitraum 2004-2007 von 129 ha auf 113 ha zurückgegangen, befindet sich aber weiterhin auf zu hohem Niveau. Die bundesweite Zunahme an Siedlungs- und Verkehrsfläche teilt sich auf in rund 74 ha pro Tag in den alten Bundesländern und rund 39 ha pro Tag in den neuen Bundesländern (einschließlich Berlin).
Der Rückgang beruht im Wesentlichen auf einem konjunkturell begründeten Rückgang der Bauinvestitionen. Eine wirkliche Trendumkehr ist damit nicht gesichert. Im Falle einer Konjunkturbelebung ist mit einem Anstieg zu rechnen. Um die tägliche Zunahme der Siedlungs- und Verkehrsfläche bis 2020 auf 30 ha pro Tag zu reduzieren, ist eine umfassende Neuorientierung der Siedlungs- und Verkehrspolitik auf den Ebenen von Bund, Ländern und Kommunen erforderlich.
Bedeutung
Der Indikator „Flächeninanspruchnahme“ bildet das Beeinträchtigungspotenzial hinsichtlich der naturnahen Räume und der natürlichen Bodenfunktionen durch Versiegelung und Zersiedelung ab. Darüber hinaus signalisiert er auf hoch aggregierter Ebene die Abweichung von nachhaltigem Wohn-, Konsum- und Mobilitätsverhalten.
Der Umgang mit dem Boden soll in qualitativer und quantitativer Hinsicht so erfolgen, dass er auch kommenden Generationen mit ausreichender Optionsvielfalt zur Verfügung steht. In einem dicht besiedelten Land wie Deutschland ist es von vitalem Interesse, den Boden in seinen ökologischen Funktionen als Lebensgrundlage und Lebensraum für Menschen, Tiere und Pflanzen und als Bestandteil des Naturhaushalts mit seinen Wasser- und Naturkreisläufen zu erhalten. Gleichzeitig gilt es, die vorhandene und künftige Flächennutzung im Sinne der Nachhaltigkeit für vielfältige Funktionen, z.B. für Siedlung, Erholung und Verkehr, für die Erzeugung von Lebensmitteln und nachwachsenden Rohstoffen, für wirtschaftliche und öffentliche Nutzungen sowie Naturschutzzwecke weiter zu entwickeln.
Nachhaltige Flächennutzung zielt daher sowohl auf eine Verringerung der zusätzlichen Flächeninanspruchnahme und effiziente Nutzung vorhandener Flächen als auch auf eine Aufwertung von Flächen in ökologischer Hinsicht.
Anteile der Nutzungskategorien an der Zunahme der Siedlungs- und Verkehrsfläche
Im Zeitraum von 2003 bis 2007 nahm die Siedlungs- und Verkehrsfläche um 113 ha pro Tag zu. 78 % dieses Zuwachses (88 ha pro Tag) dienten der Erweiterung von Siedlungsflächen und 22 % (25 ha pro Tag) der Erweiterung von Verkehrsflächen. Von der Verkehrsflächenzunahme wurden ca. 6 ha pro Tag (d.h. 5 % des Wachstums der Siedlungs- und Verkehrsfläche) für die Erschließung von neuen Baugebieten benötigt. Somit sind 83 % der Flächenneuinanspruchnahme direkt oder indirekt auf das Wachstum der Siedlungen samt der dazugehörigen Verkehrserschließung zurückzuführen.
Der restliche Zuwachs der Verkehrsinfrastruktur dient somit dem Fernverkehr oder der besseren Erschließung der Landschaft. Dabei entfallen mindestens 7 ha pro Tag auf den Ausbau von Wegen für die Land- und Forstwirtschaft und für die Naherholung und den Fahrradverkehr.
Die restliche Flächenneuinanspruchnahme (bis zu 12 ha pro Tag) sollten dem Aus- und Neubau überörtlicher Infrastrukturen zugute gekommen, sein – davon ca. 5 ha pro Tag für den Neu- und Ausbau von Bundesverkehrswegen.
Die restlichen Verkehrsträger spielen bei der Flächeninanspruchnahme in der Gesamtbilanz eine untergeordnete Rolle, denn das Wachstum der Flächen für den Flugverkehr in einer Größenordnung von 1 ha pro Tag wird derzeit in etwa durch den Netto-Rückgang der Bahnflächen in etwa kompensiert. Trotz des Ausbaus von neuen Bahnverbindungen nimmt nämlich das Eisenbahnnetz durch die Stilllegung von Nebenstrecken in der Gesamtbilanz ab.
Die Rolle des Wohnungsbaus für die Flächeninanspruchnahme
Innerhalb der Siedlungsnutzungen spielte im Zeitraum von 1992 bis 2007 über viele Jahre der Wohnungsbau mit mehr als 41 % der neuen Siedlungsflächen eine besonders wichtige Rolle.
Bezogen auf den Ausgangswert im Jahr 1992 stieg die Siedlungsfläche bis zum Jahr 2007 um 21,8 %. Das war im langjährigen Mittel ein Zuwachs von 95,1 ha/Tag. Die Gebäude und Freifläche stieg im gleichen Zeitraum um 17,2 %, (= 65 ha/Tag), die Gebäude- und Freifläche für Wohnen um 23,0 % (= 39 ha/Tag). Die Gebäude- und Freifläche für Wohnen nahm damit überproportional zu und außerdem erheblich schneller zu als die Zahl der Einwohner (+1,5 %).
Pro Kopf der Bevölkerung erhöhte sich die Siedlungsfläche für Wohnen von ca. 124 m² auf 148 m². Die Zuwachsraten sind in kleineren Gemeinden im Umland der noch wachsenden Agglomerationsräume besonders hoch, dort wo Baulandpreise vergleichsweise günstig sind. Ein wesentlicher Grund ist der der Wunsch nach der Wohnform „Einfamilienhaus“, wodurch pro Kopf mehr Grundstücksfläche belegt wird.
Hinzu kommt der deutlich gestiegene Wohnflächenkonsum innerhalb der Wohngebäude, der in dem betreffenden Zeitraum von 35 m² auf 42 m² pro Kopf zunahm und zu einem Mehrbedarf für Gebäudeheizungen führte.
Erst in den letzten Jahren ist – z.T. bereits infolge des demographischen Wandels (weil die Jahrgänge im „Häuslebaueralter“ zunehmend schwächer besetzt sind), z.T. weil in vielen Regionen durch exzessiven Neubau ein Überangebot auf dem Wohnungsmarkt entstanden ist, z.T. aber auch wegen schwacher Konjunktur und erhöhter Arbeitsplatzrisiken – der Wohnungsbau deutlich zurückgegangen vom Spitzenwert im Jahr 2000 von 49 ha pro Tag auf 25 ha pro Tag im Jahr 2007. Der Wegfall der Eigenheimzulage hat diese Entwicklung zwar etwas moduliert, war aber in der Gesamtbilanz nicht ausschlaggebend.
Schlussfolgerungen
Angesichts der anhaltenden Dominanz der Siedlungsentwicklung für die Flächeninanspruchnahme sollten Maßnahmen- und Instrumentenvorschläge einen Schwerpunkt auf die Dämpfung der Siedlungsentwicklung und der damit verbundenen Verkehrserschließung konzentrieren. Insgesamt ist eine Vielzahl aufeinander abgestimmter Maßnahmen erforderlich, um auf Dauer eine wirksame Reduzierung der Inanspruchnahme immer neuer Flächen für Siedlungszwecke zu erreichen.
Das Wachstum der Flächen der überörtlichen Verkehrswege ist zunächst vor allem im Hinblick auf die Landschaftszerschneidung von Bedeutung. Bemerkenswert ist jedoch, dass trotz lahmender Konjunktur das Wachstum der Verkehrsflächen konstant hoch geblieben ist, so dass deren relative Bedeutung in Zukunft wachsen wird, sollte sich das Wachstum der Siedlungsflächen weiter verlangsamen. Im Hinblick auf die künftige demographische Entwicklung, die dazu führt, dass die Folgekosten der Infrastrukturen von immer weniger Steuerzahlern getragen werden müssen, sollte die öffentliche Hand auch die Investitionen in neue Verkehrsinfrastrukturen kritisch überdenken.
Auch der Wirtschaftsbau ist konjunkturbedingt in den letzten Jahren zurückgegangen, gleichzeitig wachsen die Leerstände und Siedlungsbrachen.
Methodik der Indikatorenbildung
Unmittelbare Erhebung der Siedlungs- und Verkehrsfläche aus den Grundstückskatastern im Rahmen des Agrarstatistikgesetzes, und zwar jährlich nach Grobkategorien und alle 4 Jahre nach Feinkategorien der Nutzungsarten.
Die Differenz der Siedlungs- und Verkehrsfläche zum Vorjahr wird zu den Tagen des jeweiligen Jahres ins Verhältnis gesetzt. Angesichts starker Schwankungen in Einzeljahren werden darüber hinaus gleitende 4-Jahres-Mittelwerte gebildet, um die Darstellung von Trends zu verstetigen.
Die Siedlungs- und Verkehrsfläche setzt sich aus Gebäude- und Freifläche (51,9 %), Verkehrsfläche (37,9 %), Erholungsfläche (7,8 %), Betriebsfläche ohne Abbauland (1,7 %) und Flächen für Friedhöfe (0,8 %) zusammen (prozentuale Angaben Stand
Bewertungsgrundlagen
Bis zum Jahr 2020 soll der Zuwachs der Siedlungs- und Verkehrsfläche (SuV) auf 30 ha pro Tag reduziert werden. Von diesem Ziel der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie sind wir noch weit entfernt. Der Nachhaltigkeitsrat fordert darüber hinaus, bis 2050 die neue Inanspruchnahme – vor allem durch Flächenrecycling – auf Null zu reduzieren.
Maßnahmen zur Zielerreichung
Eine ausführliche Darstellung weiterer Ziele zur Förderung der Innenentwicklung, der Altlasten- und Brachflächenaktivierung, der Schutzgebietssicherung, der Entsiegelung sowie weiterer Aspekte ist in Veröffentlichungen des Umweltbundesamts enthalten:
Vorschlag des Umweltbundesamtes: Reduzierung der Flächeninanspruchnahme durch Siedlung und Verkehr – Strategiepapier des Umweltbundesamtes (ISBN 3-503-07852-5, Erich Schmidt Verlag, Berlin, 2004)
Vorschlag des Umweltbundesamtes: Reduzierung der Flächeninanspruchnahme durch Siedlung und Verkehr – Materialienband (UBA-Texte 90/03, Berlin, Dezember 2003)
Diese enthalten auch eine Vielzahl von Vorschlägen zur zielgerichteten Weiterentwicklung planerischer und ökonomischer Instrumente zur Verminderung der Flächenneuinanspruchnahme.
Rechtsgrundlagen
Raumordnungsgesetz (ROG) vom
DPSIR-System
Zuordnung des Indikators
Pressure (Belastung)Verwandte Themen |
|
|---|---|
| D | Modal Split der Personenverkehrsaufwandes |
| I | Fläche und Anzahl unzerschnittener verkehrsarmer Räume |
| R | Transportintensität für den Personen- und Güterverkehr |


