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Thema:

 

 

Letzte Aktualisierung: April 2013

Thema:

Biologische Vielfalt, Naturhaushalt und Landschaft

Unterthema:

Belastung der Umweltmedien und Lebensräume durch Stoffe

Gewässer

Indikator:

Gewässergüteklasse II für Gesamtstickstoff

 

Fachliche Bewertung

Im Zeitraum 1996 bis 2011 wurde die Gewässergüte für Gesamtstickstoff an 131 identischen Messstellen des Fließgewässermessstellennetzes der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser ermittelt. Bei einer Bewertung der Daten ist zu berücksichtigen, dass Gesamtstickstoff zwar einen wichtigen Bereich, bei weitem jedoch nicht alle stofflichen Aspekte der Wasserbeschaffenheit abdeckt. Unberücksichtigt bleiben ferner Eingriffe in die Gewässerstruktur (zum Beispiel durch die Schifffahrt, die Wasserkraftnutzung oder den Hochwasserschutz), die die erheblichsten Beeinträchtigungen für die ökologische Gewässerqualität der Fließgewässer in Deutschland sind. Gesamtstickstoff ist daher als exemplarische Kenngröße für die Wasserqualität zu verstehen, mit der sich diffuse Belastungen aus Landwirtschaft und Verkehr erfassen lassen. Gesamtstickstoff ist auch ein aussagekräftiger Indikator für die Belastung der Meere über die Flüsse.

Lediglich an durchschnittlich 13 % der Messstellen wird die Gewässergüteklasse II für Gesamtstickstoff (3 mg/l) im Zeitraum 1996 bis 2011 eingehalten. Die Werte schwanken seit 1996 jährlich zwischen 11 % (1999, 2004, 2006) und 16 % (1997), zuletzt lag der Wert bei 13 % (2011). Dies zeigt, dass Gewässerreinhaltungsmaßnahmen zukünftig insbesondere im Bereich der diffusen Stoffeinträge, zum Beispiel aus der Landwirtschaft, erforderlich sind. Bei Betrachtung der Verteilung der Güteklassen für Gesamtstickstoff an 131 identischen Messstellen im Zeitraum 1996 bis 2011 ergibt sich ein leichter Rückgang von Messstellen mit erhöhter Belastung (Güteklasse III und schlechter). Dies ist vor allem auf Wirkungen der Maßnahmen im Bereich der Abwasserreinigung der Industrie und Kommunen zurückzuführen.

Bei der Bewertung ist allerdings zu berücksichtigen, dass die Maßnahmen, die in der Landwirtschaft bereits getroffen wurden, ihre Wirkung am Gewässer erst nach etwa 5 bis 30 Jahren zeigen, was auf die langsame Fließgeschwindigkeit des Grundwassers zurückzuführen ist. Daher sind bereits erzielte Erfolge nicht unmittelbar ablesbar.

Bedeutung

Eine erhöhte Belastung von Seen und Flüssen mit Nährstoffen und Schadstoffen gefährdet die natürlichen Funktionen und Nutzungsmöglichkeiten der Gewässer.

Nährstoffe (Phosphor und Stickstoff (Gesamtstickstoff)), die heute hauptsächlich aus landwirtschaftlichen Quellen in die Gewässer eingetragen werden, begünstigen das Algenwachstum, das wiederum vielfältige negative Auswirkungen auf die Gewässer hat. Ein starkes Algenwachstum führt zu Sauerstoffmangel, das Fischsterben auslösen kann. Ferner erschwert starkes Algenwachstum die Aufbereitung von Trinkwasser und kann allergische Reaktionen bei Badenden hervorrufen.

Methodik der Indikatorenbildung

Gemessen wird der Anteil der Fließgewässer (Messstellen in Prozent), bei denen die Zielwerte der chemischen Güteklasse II Gesamt-N eingehalten werden: 3 mg/l für den Gesamt-Stickstoffgehalt.

In der Bundesrepublik Deutschland wird die chemisch-physikalischen Gewässerbeschaffenheit von Fließgewässern über eine siebenstufige Gewässergüteklassifikation beurteilt. Eine detaillierte Übersicht über die Klassifikationssysteme sowie den Stand und die Entwicklung der Gewässergütesituation finden Sie hier.

Die chemische Gewässergüteklassifikation, die von der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) in Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt entwickelt wurde, beinhaltet in der Güteklasse II (dritte Stufe der siebenstufigen Klassifikation) Qualitätsanforderungen für Nährstoffe, bei deren Einhaltung der Schutz der aquatischen Lebensgemeinschaften sowie sämtliche Nutzungen des Wassers nach dem derzeitigen Stand des Wissens gewährleistet ist.

Bewertungsgrundlagen

  • Guter ökologischer und guter chemischer Zustand der Gewässer bis 2015
  • Einhaltung/Erreichen der Zielwerte der Güteklasse II für physikalisch-chemische Messgrößen

Maßnahmen zur Zielerreichung

Nach wissenschaftlichen Analysen ist es möglich, durch weitere Reduzierung des Stickstoffüberschusses (Gesamtüberschuss von etwa 105  kg/ha im Mittel der Jahre 2006 bis 2008 auf 80 kg/ha jährlich) und gleichmäßigere Verteilung des Viehbestandes die Güteklasse II annähernd zu erreichen. Ergänzend bedarf es der Schließung von Drainagen, um die in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich zunehmende Entwässerung der Landschaft rückgängig zu machen. In den hieraus resultierenden nassen sauerstofffreien Böden wird Nitrat (der Hauptanteil des Gesamtstickstoffs) zu Luftstickstoff abgebaut.

Rechtsgrundlagen

Bund/Länder-Verwaltungsvereinbarung zum Datenaustausch im Umweltbereich