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Thema:

 

 

Letzte Aktualisierung:  April 2009

Thema:

Biologische Vielfalt, Naturhaushalt und Landschaft

Unterthema:

Arten-, Lebensraum- und Landschaftsvielfalt

Indikator:

Anteil an gebietsfremden Tier- und Pflanzenarten in Deutschland

 

- State -

Neozoen in Deutschland (Anzahl gebietsfremder Tierarten)

1 149 bekannte Neozoenarten

 

Artengruppe

Artenzahl

etabliert

noch nicht etabliert

Status
fraglich

Säugetiere

22

8

14

0

Vögel

163

15

138

10

Reptilien

14

0

13

1

Amphibien

8

1

7

0

Knochenfische

54

8

21

25

Spinnentiere

35

10

2

23

Insekten

553

115

185

253

Krebse

62

26

9

27

Ringelwürmer

33

10

4

19

Sonstige Gliedertiere

20

7

12

1

Weichtiere

83

40

7

36

Rundwürmer

25

4

10

11

Plattwürmer

36

8

8

20

Nesseltiere

7

5

1

1

Einzeller

21

3

8

10

Sonstige Arten

13

4

4

5

Summe

1 149

264

443

442

 

Quelle: Bundesamt für Naturschutz 2007

 

Fachliche Bewertung

Ob es gebietsfremden Tier- und Pflanzenarten gelingt, sich in Deutschland dauerhaft zu etablieren, hängt nicht nur von den individuellen Arteigenschaften ab. Über den Ansiedlungserfolg und letztlich die Invasivität der Arten entscheidet auch der Natürlichkeitsgrad der neu besiedelten Lebensräume. In Mitteleuropa deutet vieles darauf hin, dass naturbelassene Lebensräume weniger anfällig für „Eindringlinge“ sind, wobei "naturbelassen" hier bedeutet, dass alle Arten, die für diesen Lebensraum zu erwarten sind, vertreten und damit alle ökologischen Nischen besetzt sind.

Der Anteil gebietsfremder Arten an der heimischen Fauna und Flora kann daher als Indikator für die Empfindlichkeit, Anfälligkeit und Naturferne der Lebensräume herangezogen werden.

Bedeutung

Neobiota, die sich nach ihrer beabsichtigten oder unbeabsichtigten Einbringung durch den Menschen in Gebieten, in denen sie natürlicherweise nicht vorkommen, etablieren, können zu Veränderungen der Funktionsabläufe in Ökosystemen führen oder ursprüngliche Lebensgemeinschaften beeinträchtigen. Dadurch entsteht Handlungsbedarf für den Naturschutz, um die biologische Vielfalt und ihre natürliche Dynamik zu erhalten.

Die absichtliche Einfuhr und/oder das unbeabsichtigte Einschleppen gebietsfremder Arten gelten weltweit nach der Zerstörung von Lebensräumen als die zweitgrößte Gefährdungsursache für die biologische Vielfalt. Dies trifft im Besonderen für über lange Zeiträume isolierte Inselökosysteme mit zahlreichen endemischen Arten zu, in Mitteleuropa als Durchmischungsraum unterschiedlicher Faunen- und Florenelemente und mit seiner langen Landnutzungsgeschichte ist das Gefahrenpotenzial geringer zu bewerten.

Neben einer Gefährdung für die heimische Natur bzw. Artenvielfalt durch invasive Arten können gebietsfremde Arten auch negative Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit haben. Gebietsfremde Neozoen können auch als Vektoren von Krankheiten und Parasiten wirken.

Untersuchungen bei höheren Pflanzen zeigen, dass ca. 90 % der Arten, die in ein neues Gebiet gelangen, dort nicht überlebens- bzw. vermehrungsfähig sind und mehr oder weniger schnell absterben. Etwa 10 % der Arten können sich aber in einem neuen Gebiet für gewisse Zeit halten, verschwinden wieder und treten an anderen Stellen erneut auf (unbeständige Neobiota). Trifft die Art in ihrem neuen Siedlungsgebiet aber auf ihr zusagende biotische und abiotische Standortbedingungen, kann sie sich dort dauerhaft etablieren, was ca. 20 % der unbeständigen Neobiota in naturfernen und 10 % in naturnahen Ökosystemen gelingt, also 2-1 % der „Neulinge“. Wiederum ca. 10 % dieser eingebürgerten Arten (also weniger als 0,2 % aller Neuankömmlinge) können invasiven Charakter bekommen.

Gefährdungspotenziale für die Natur und damit mögliche Naturschutzprobleme ergeben sich auf vier verschiedenen Ebenen:

(1) Am unmittelbarsten können invasive Arten einheimische Arten durch einen erhöhten Prädations- (d.h. Fraß einheimischer Arten) oder Parasitierungsdruck schädigen (z.B. Verbreitung von Krankheiten unter einheimischen Arten wie das Ulmensterben durch Übertragung des Erregers durch den neozoischen Ulmensplintkäfer).

(2) Schließlich treten invasive Arten in Konkurrenz um Lebensraum und Ressourcen mit den heimischen Arten. Dabei können sie spezifisch einzelne Arten schädigen oder verdrängen bzw. deren ökologischen Nischen besetzen oder ganze Artengemeinschaften verändern/verdrängen.

(3) Komplexer sind Veränderungen der Standortbedingungen und damit ökologische Kreisläufe (z.B. Nahrungsketten), was sich ggf. indirekt auch wieder auf heimische Arten auswirkt (wie die in brachfallende Halbtrockenrasen einwandernde Robinie, die durch ihre Stickstoffanreicherung im Boden weitere, die Halbtrockenrasenarten verdrängende Arten begünstigt).

(4) Genetische Gefahren gehen schließlich durch die Hybridisierung heimischer Arten mit gebietsfremden Arten oder Teilpopulationen aus. Dieses Auskreuzen gebietsfremder Gene spielt auch bei Zuchtformen von Gartenpflanzen und Obstkulturen und bei der Verwendung nicht autochthonen Saat- und Pflanzgutes in der Landschaftspflege eine Rolle.

Methodik der Indikatorenbildung

In den Index gehen sowohl gebietsfremde Tier- als auch Pflanzenarten ein. Als Grundlage für eine Gesamtaussage werden die Anteile der gebietsfremden Tier- und Pflanzenarten an der Gesamtzahl der heimischen Tier- und Pflanzenarten berechnet und in Prozent ausgedrückt. Der Gesamtindex ist das arithmetische Mittel der beiden Werte für Tiere und Pflanzen.

Bewertungsgrundlagen

Ziel ist es, den Anteil der gebietsfremden Arten gering zu halten und Ökosysteme so zu stabilisieren, das gebietsfremde Arten nicht invasiv werden.

Maßnahmen zur Zielerreichung

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Rechtsgrundlagen

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Für weitergehende Informationen z.B. zu den rechtlichen Regelungen vgl. www.neophyten.de

 

 

 


Quelle

Bundesamt für Naturschutz