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Letzte Aktualisierung: |
Thema: |
Biologische Vielfalt, Naturhaushalt und Landschaft |
Unterthema: |
Arten-, Lebensraum- und Landschaftsvielfalt |
Indikator:
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Gefährdung von Biotoptypen
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Fachliche Bewertung
Nach Angaben des Bundesamtes für Naturschutz lassen sich in Deutschland insgesamt etwa 690 Biotoptypen unterscheiden (ohne rein technische Biotope wie Straßen, Gebäude und Deponieflächen).
Besonders für Fragen des Biotopschutzes und der flächenbezogenen Planung wurde 1994 ergänzend zu den Roten Listen gefährdeter Arten auch ein Verzeichnis gefährdeter Biotoptypen vorgelegt. Mittlerweile liegt die 2. fortgeschriebene Fassung aus dem Jahr 2006 vor [1].
Eine Bilanzierung der Gefährdungssituation ergibt, dass in Deutschland über zwei Drittel (72,5 %) aller vorkommenden Biotoptypen (ohne „technische“ Biotoptypen) als gefährdet eingestuft sind. Die Verteilung auf die einzelnen Gefährdungskategorien zeigt die Abbildung. Der Anteil der vollständig vernichteten Biotoptypen hat von 0,2 % auf 0,3 % zugenommen. 1994 musste nur die "Bank der Europäischen Auster der Flachwasserzonen der Nordsee" in die Kategorie 0 eingestuft werden. In der aktuellen Fassung ist der Biotoptyp “Naturnaher autochthoner Fichten-Tannenwald der planaren und collinen Stufe“ verzeichnet, der als vollständig vernichtet gelten muss. Dieser auch ursprünglich sehr seltene Typ war in der Fassung von 1994 noch nicht verzeichnet, so dass dieser Zuwachs keine Verschlechterung der Situation, sondern nur das Schließen einer Datenlücke bedeutet.
Der Anteil der von vollständiger Vernichtung (Kat. 1 und 1-2) bedrohten Biotoptypen hat von 15,0 % auf 13,8 % abgenommen. Bei diesen Biotoptypen zeigen die eingeleiteten Schutzbemühungen offensichtlich bereits erste Erfolge. Die stark gefährdeten und gefährdeten Biotoptypen haben jedoch anteilsmäßig zugenommen (Kat. 2 und 2-3: von 32,7 % auf 34,6 %; Kat. 3: von 20,8 % auf 23,8 %). Das bedeutet, dass bestimmte 1994 noch als ungefährdet eingestufte Biotoptypen mittlerweile einer Gefährdung unterliegen.
Auch der Anteil seltener (2006: Kategorie R; 1994: Kategorie p), aber aktuell ungefährdeter Typen ist geringfügig von 1,2 % auf 1,7 % angewachsen.
Die Rote Liste der gefährdeten Biotoptypen wird etwa alle 10 Jahre fortgeschrieben.
Bedeutung
Mit der Roten Liste der gefährdeten Biotoptypen ist es möglich, den Gefährdungsstatus und die Gefährdungsentwicklung aller Biotoptypen Deutschlands zu dokumentieren. Diese Beurteilung integriert dabei sowohl quantitative Entwicklungen (Anzahl und Fläche der Bestände der einzelnen Typen) als auch qualitative Veränderungen (z.B. Beeinträchtigungen des typischen Artenbestandes). Über weitergehende Analysen sind neben langfristigen Entwicklungen auch aktuelle Trends abzulesen und Aussagen zu den Gefährdungsursachen möglich.
Methodik der Indikatorenbildung
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Bewertungsgrundlagen
Die Gefährdungsbeurteilung erfolgte auf der Basis des angewandten Kriteriensystems und berücksichtigt sowohl die Gefährdung durch Flächenverlust (FL) als auch durch qualitative Veränderungen (QU).
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Gefährdungskriterien und -kategorien der Roten Liste Biotoptypen Deutschlands |
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Gefährdung durch Flächenverlust (FL) bzw. qualitative Veränderungen (QU) |
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0 vollständig vernichtet |
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1 von vollständiger Vernichtung bedroht |
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2 stark gefährdet |
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3 gefährdet |
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R "rare", enge geographische Restriktionen |
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V Vorwarnliste |
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* derzeit vermutlich keine Gefährdung |
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# Gefährdungseinstufung nicht sinnvoll |
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? Daten defizitär/Einstufung nicht möglich |
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Gefährdung durch qualitative Veränderungen (QU) |
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0 vollständig vernichtet |
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1 von vollständiger Vernichtung bedroht |
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2 stark gefährdet |
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3 gefährdet |
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* derzeit vermutlich keine Gefährdung |
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? Daten defizitär/Einstufung nicht möglich |
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Aktuelle Tendenz |
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- Bestandsentwicklung negativ |
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+/- Bestandsentwicklung weitgehend stabil |
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+ Bestandsentwicklung positiv |
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? Entwicklungstendenz nicht abschätzbar |
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Einstufung der Regenerierbarkeit (RE) |
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N nicht regenerierbar |
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K kaum regenerierbar (> 150 Jahre) |
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S schwer regenerierbar (ca. 15-150 Jahre) |
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B bedingt regenerierbar (bis 15 Jahre) |
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X keine Einstufung sinnvoll |
Maßnahmen zur Zielerreichung
Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt
Förderung von Naturschutzgroßprojekten mit gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung
Rechtsgrundlagen
Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege (Bundesnaturschutzgesetz – BNatSchG) vom 25.03.2002 (BGBl. 2002, Teil I, Nr. 22)
Ausgleichsabgabenverordnung (AAV) 9.2.1995 (GVBl. IS. 120) (Eingabe durch GW 19.9.07)
[1] Riecken, U., Finck, P., Raths, U., Schröder, E. & Ssymank, A.: Rote Liste der gefährdeten Biotoptypen Deutschlands. Zweite fortgeschriebene Fassung 2006, Naturschutz und Biologische Vielfalt 34, Bundesamt für Naturschutz (BfN), Bonn-Bad Godesberg 2006


