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Umwelt - Kernindikatorensystem -
Biologische Vielfalt, Naturhaushalt und Landschaft -
Arten-, Lebensraum- und Landschaftsvielfalt -
Nachhaltigkeitsindikator für die Artenvielfalt
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Letzte Aktualisierung: |
Thema: |
Biologische Vielfalt, Naturhaushalt und Landschaft |
Unterthema: |
Arten-, Lebensraum- und Landschaftsvielfalt |
Indikator:
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Entwicklung der Bestände für die Hauptlebensraumtypen repräsentativer Vogelarten - „Nachhaltigkeitsindikator für die Artenvielfalt“
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Fachliche Bewertung
Der Wert des Indikators für die Artenvielfalt lag im Jahr 1990 deutlich unter den Werten, die für die Jahre 1970 und 1975 rekonstruiert wurden. In den Jahren nach 1990 hat sich der Indikatorwert dagegen kaum noch verändert und zeigte im Zeitraum der letzten 10 Beobachtungsjahre (1997 bis 2006) keinen nachweisbaren positiven oder negativen Entwicklungstrend. Im Jahr 2006 lag er bei ca. 70 % des Zielwertes für 2015. Bei gleichbleibender Entwicklung kann das Ziel zum vorgegebenen Zeitpunkt nicht ohne erhebliche zusätzliche Anstrengungen von Bund, Ländern und auf kommunaler Ebene in möglichst allen Politikfeldern mit Bezug zum Natur- und Landschaftsschutz erreicht werden.
Zwischen 1997 und 2006 zeigten die Teilindikatoren für Siedlungen sowie für Küsten und Meere einen signifikanten Abwärtstrend, während die Teilindikatoren für Agrarland, Binnengewässer und die Alpen stagnierten. Allein der Teilindikator für die Wälder entwickelte sich seit 1997 signifikant positiv. Er erreichte in 2006 ca. 80 % des Zielwertes, während die anderen Teilindikatoren in diesem Jahr nur ein Niveau von etwa zwei Dritteln des Zielwertes aufwiesen.
Die wichtigsten Ursachen für den Rückgang der Artenvielfalt sind die Intensivierung der land- und forstwirtschaftlichen Nutzung, die Zerschneidung und Zersiedelung der Landschaft, die Versiegelung von Flächen sowie Stoffeinträge (z. B. Säurebildner oder Nährstoffe). Im Siedlungsbereich wirken sich Verluste an naturnahen Flächen und dörflichen Strukturen aufgrund von Bautätigkeit negativ aus. Gefährdungsfaktoren für Lebensräume an der Küste sind Störungen durch eine gestiegene Freizeitnutzung und die Verbauung, z. B. im Rahmen von Küstenschutzmaßnahmen. In Wäldern dürfte sich die Förderung naturnaher Waldbewirtschaftung positiv bemerkbar machen.
Bedeutung
Der Nachhaltigkeitsindikator für die Artenvielfalt (Fortschrittsbericht 2008 zur nationalen Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung und Indikatorenbericht 2008 des Statistischen Bundesamtes zur nachhaltigen Entwicklung) gibt Auskunft über Zustand und Veränderungen von Natur und Landschaft in Deutschland. Der Berechnung des Indikators liegt die Entwicklung der Bestände von 59 Vogelarten zu Grunde, die die wichtigsten Landschafts- und Lebensraumtypen in Deutschland repräsentieren. Die Größe der Bestände spiegelt die Eignung der Landschaft als Lebensraum für die ausgewählten Vogelarten wider. Da neben Vögeln auch andere Arten an eine reichhaltig gegliederte Landschaft mit intakten, nachhaltig genutzten Lebensräumen gebunden sind, bildet der Indikator indirekt auch die Entwicklung zahlreicher weiterer Arten in der Landschaft und die Nachhaltigkeit der Landnutzung ab.
Methodik der Indikatorenbildung
Der Indikator ist aus Teilindikatoren für die wichtigsten Landschafts- und Lebensraumtypen in Deutschland aufgebaut: Agrarland, Wälder, Siedlungen, Binnengewässer, Küsten/Meere sowie die Alpen. In Zusammenarbeit mit den Staatlichen Vogelschutzwarten der Länder und dem Dachverband Deutscher Avifaunisten wurden für jeden dieser Hauptlebensraumtypen 10 bzw. 11 repräsentative Vogelarten ausgewählt, die verschiedene Ausprägungen und Nutzungen abbilden. Um den Erfolg eines nachhaltigen Umgangs mit Natur und Landschaft messbar zu machen, hat ein Expertengremium für jede einzelne Vogelart einen Bestandszielwert für das Jahr 2015 festgelegt, der erreicht werden könnte, wenn europäische und nationale rechtliche Regelungen mit Bezug zum Naturschutz und die Leitlinien einer nachhaltigen Entwicklung zügig umgesetzt werden. Alle individuell ermittelten Zielwerte wurden nachfolgend auf einen einheitlichen Wert von 100 % normiert. Aus dem Grad der Zielerreichung aller 59 Vogelarten werden jährlich die Werte der Teilindikatoren und ein Wert für den Gesamtindikator nach folgendem Verfahren berechnet: Die Mittelwerte der Zielerreichungsgrade der Arten der jeweiligen Hauptlebensraumtypen bilden die Teilindikatoren. Der Gesamtindikator wird schließlich als Mittelwert aus den Teilindikatoren errechnet, wobei diese nach ihrem Anteil an der Gesamtfläche Deutschlands gewichtet werden. Durch dieses mit den Bundesländern abgestimmte Verfahren wird die unterschiedliche flächige Ausdehnung der Hauptlebensraumtypen berücksichtigt.
Die Informationen werden ausgehend von den einzelnen Indikatorarten über die Teilindikatoren der Hauptlebensraumtypen bis hin zum Gesamtindikator immer weiter verdichtet, so dass sich drei unterschiedliche Informationsniveaus ergeben. Der Indikator erlaubt deshalb eine Interpretation auf mehreren Ebenen:
· Der Gesamtindikator ist hochgradig aggregiert und ermöglicht eine Aussage für die Gesamtlandschaft.
· Aus den Teilindikatoren (Agrarland, Wälder, Siedlungen, Binnengewässer, Küsten/Meere sowie Alpen) lassen sich Rückschlüsse auf bestimmte Nutzungsformen ziehen.
· Auf der Artebene können Aussagen gemacht werden über die Entwicklung der ausgewählten 59 Vogelarten, die bestimmte Aspekte der Hauptlebensraumtypen repräsentieren.
Bewertungsgrundlagen
Mittels Delphi-Methode wurden von einem Expertengremium Zielwerte für die Bestandsgrößen der ausgewählten Vogelarten für das Jahr 2015 festgelegt (s. Methodik der Indikatorenbildung).
Maßnahmen zur Zielerreichung
Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt
Rechtsgrundlagen
Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege (Bundesnaturschutzgesetz – BNatSchG) vom 25.03.2002 (BGBl. 2002, Teil I, Nr. 22)
Zusatzinformationen
http://www.bfn.de/0315_nachhaltigkeit.html
Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.) (2008): Daten zur Natur 2008. Landwirtschaftsverlag, Münster.
Sudfeldt, C., Dröschmeister, R., Grüneberg, C., Jaehne, S., Mitschke, A. & Wahl, J. (2008): Vögel in Deutschland – 2008. DDA, BfN, LAG VSW, Münster.
Bundesregierung (2008): Fortschrittsbericht 2008 zur nationalen Nachhaltigkeitsstrategie. Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, Berlin.
Statistisches Bundesamt (Hrsg.) (2008): Nachhaltige Entwicklung in Deutschland – Indikatorenbericht 2008. Statistisches Bundesamt, Wiesbaden.


