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Abbildungen
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Abb. Beobachtete Klimaänderungen -
Abb. Gebietsmittel der Anzahl der Tage mit einer Schneedecke in Deutschland 1951 bis 2009 -
Abb. Anzahl der Tage mit mehr als 20 mm Niederschlag -
Abb. Multimodell-Mittel und geschätzte Bandbreite für die Erwärmung an der Erdoberfläche -
Abb. Projizierte Änderung der Anzahl Heißer Tage (Tmax≥30°C) -
Abb. Projizierte relative Änderung des mittleren Sommerniederschlages
Hintergrundinformationen
Glossar
- IPCC
- Treibhausgase
- WMO
DPSIR-System
Zuordnung des Themas
Impact (Wirkung)-
Daten zur Umwelt - Umweltzustand in Deutschland -
Klima -
Klimaänderungen
Klimaänderungen
Während der letzten Jahre wurden wesentliche Fortschritte beim Verständnis der Klimaänderungen erzielt. Neue und robustere Befunde zeigen, dass der größte Teil der in den letzten 50 Jahren beobachteten Erwärmung menschlichen Aktivitäten zuzuordnen ist. Sowohl aus dem Vergleich der beobachteten globalen Temperaturänderungen mit Modellsimulationen als auch detaillierten statistischen Untersuchungen langer globaler Temperaturreihen lässt sich die Schlussfolgerung ziehen, dass die anthropogene Beeinflussung einen wesentlichen Faktor für die globale Erwärmung darstellt. Es gilt als gesicherte Erkenntnis, dass im weltweiten Durchschnitt menschliches Handeln seit 1750 das Klima erwärmt hat – vorrangig durch den fossilen Brennstoffverbrauch, die Landwirtschaft und die geänderte Landnutzung [1].
Klimaänderungen in den letzten 100 Jahren
Global
In den Jahren von 1901 bis 2011 ist die globale mittlere Oberflächentemperatur um rund 0,8 °C angestiegen [1] (siehe Abb. „Beobachtete Klimaänderungen“). Etwa 2/3 der Erwärmung fällt auf den Zeitraum seit Mitte der 70er Jahre. Die Jahre des 21. Jahrhunderts (2001 bis 2011) gehören alle zu den dreizehn wärmsten Jahren seit der instrumentellen Messung (1861) des globalen Mittels der Lufttemperatur in Bodennähe. Global ist die Dekade von 2001 bis 2010 die wärmste seit 1861. Sie war wärmer als die Dekade der neunziger Jahre und diese wiederum wärmer als die der Achtziger. Im 20. und bisherigen Verlauf des 21. Jahrhunderts trat auf der Nordhalbkugel die stärkste Erwärmung der letzten 1 300 Jahre auf.
Ebenso wie die globale Erwärmung haben sich auch der Meeresspiegelanstieg und das Abschmelzen von Gletschern und Eiskappen beschleunigt. In den Jahren von 1961 bis 2003 stieg der Meeresspiegel weltweit jährlich um etwa 1,8 mm. Diese Rate erhöhte sich zwischen 1993 und 2003 auf 3,1 mm (siehe Abb. „Beobachtete Klimaänderungen“).
Gebirgsgletscher und Schneebedeckung der Erde haben sich verringert. Gletscher- und Eiskappenschwund (ohne Grönland und Antarktis) haben den Meeresspiegel zwischen 1961 und 2003 um 0,5 mm pro Jahr und von 1993 bis 2003 um 0,77 mm pro Jahr steigen lassen (siehe Abb. „Beobachtete Klimaänderungen“).
Klimaänderungen betreffen ganze Kontinente und Meeresbecken:
- In der Arktis stiegen die durchschnittlichen Temperaturen in den vergangenen 10 Jahren doppelt so schnell wie im globalen Durchschnitt.
- Das arktische Meereis schrumpft in seiner durchschnittlichen jährlichen Ausdehnung um 2,7 % pro Jahrzehnt, im Sommer sogar um 7,4 % pro Jahrzehnt.
Europa
Im Vergleich zum globalen Durchschnitt fand in Europa eine stärkere Erwärmung gegenüber dem vorindustriellen Niveau statt. Die mittlere Lufttemperatur in Bodennähe stieg bis 2007 um 1,0 °C an. Acht der letzten zwölf Jahre von 1996 und 2007 gehören in Europa zu den zwölf wärmsten seit 1850. Im Frühling und im Sommer war die Erwärmung am stärksten, wobei im Herbst gar keine Erwärmung stattfand. Nachttemperaturen stiegen stärker als die Tagestemperaturen an, was wahrscheinlich auf zunehmende Bewölkung zurückzuführen ist. In den letzten dreißig Jahren war die Erwärmung in Skandinavien, besonders im Winter und auf der Iberischen Halbinsel im Sommer am stärksten. Die Niederschläge stiegen im Mittel in Europa um 6 bis 8 % an. Regional traten deutliche Unterschiede auf: Während im Nordwesten die Niederschläge zunahmen, wurde der Mittelmeerraum und Osteuropa zunehmend trockener. In den meisten Teilen Europas sind die Veränderungen im Winter am stärksten: Während die Niederschläge in überwiegenden Teilen West- und Nordeuropas um 20 bis 40 % zunahmen, wurden die Winter in Südeuropa und Teilen Mitteleuropas trockener [2].
Deutschland
Zwischen 1901 und 2008 ist die mittlere Lufttemperatur in Deutschland um knapp 1 °C gestiegen. Das Jahrzehnt 1990 bis 1999 war sogar die wärmste Dekade des gesamten 20. Jahrhunderts. Auch in den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts war es erheblich wärmer als im Mittel der aktuellen Klimanormalperiode 1961 bis 1990 („vieljähriges Mittel“). Dabei ist der beobachtete Temperaturanstieg seit 1901 im Südwesten Deutschlands besonders hoch. So stieg die durchschnittliche Jahrestemperatur im Saarland um etwa 1,3 °C. Im Nordosten dagegen nahmen die Temperaturen seit 1901 deutlich weniger stark zu, in Mecklenburg-Vorpommern beispielsweise nur um 0,6 °C.
Auch beim Niederschlag lassen sich in Deutschland Veränderungen beobachten. Gegenüber dem Beginn des 20. Jahrhunderts ist das Gebietsmittel der jährlichen Niederschlagsmenge in Deutschland um etwa 10 % angestiegen, wobei die beiden ersten Dekaden des 20. Jahrhunderts vergleichsweise trocken waren. Die Menge des Niederschlags hat im Frühjahr deutlich zugenommen. Insbesondere für den Monat März errechnet sich für den 108-jährigen Zeitraum 1901 bis 2008 gegenüber dem entsprechenden Monatsmittel der Klimanormalperiode 1961 bis 1990 eine mittlere Zunahme des Niederschlags um 34 %. Im Sommer ergibt sich insgesamt kein wesentlicher Trend. Allerdings hat sich die Verteilung der Niederschlagsmengen innerhalb der Sommermonate geändert: geringere Niederschlagsmengen im Juli und August werden durch stärkere Niederschläge im Juni weitgehend ausgeglichen. Für die oben angeführten Bezugszeiten nahmen die Winterniederschläge dagegen generell um etwa 19 % zu. Trotz dieser Beobachtung ist der winterliche Trend statistisch aber noch nicht signifikant, denn die Menge der Niederschläge variiert von Jahr zu Jahr sehr stark. Bei den Niederschlagtrends gibt es auch große Unterschiede innerhalb Deutschlands. So ist die Zunahme im Jahreszeitraum weitgehend auf Westdeutschland beschränkt, während in den östlichen Bundesländern die Zunahmen im Winterhalbjahr durch Abnahmen im Sommer großenteils wettgemacht werden.
Klimaänderungen bedeuten nicht nur Änderungen der mittleren klimatischen Verhältnisse, sondern auch Änderungen bei den Extremwerten. In Deutschland ist in den letzten Jahrzehnten ein abnehmender Trend zum Beispiel bei der Anzahl der Tage mit Schneedecke festzustellen (siehe Abb. „Gebietsmittel der Anzahl der Tage mit einer Schneedecke in Deutschland 1951 bis 2009“). Hier weist das vieljährige Mittel "1971 bis 2000" mit etwa 39 Tagen für Deutschland einen bereits um 8 Tage geringeren Wert als das vieljährige Mittel "1961 bis 1990" auf.
Für den Niederschlag werden Veränderungen in der regionalen und jahreszeitlichen Verteilung beobachtet: Die Änderung der Anzahl der Tage mit Niederschlag größer als 20 mm wurde für die aktuelle 30jährige Periode "1980 bis 2009" im Vergleich zur vorigen 30jährigen Periode "1951 bis 1980" für Deutschland berechnet (siehe Abb. „Anzahl der Tage mit mehr als 20 mm Niederschlag“). Die Karten der Differenzwerte pro Dekade für den Sommer und den Winter sind in der jeweils rechten Abbildung oben bzw. unten dargestellt. Für die Sommermonate (Juni, Juli, August = JJA) ist überwiegend eine abnehmende Anzahl von Niederschlagstagen >20 mm zu erkennen, während vorwiegend in den Küstenregionen die Anzahl der Tage mit Niederschlag >20 mm mit bis zu 8 Tagen pro Dekade zunimmt. Demgegenüber weist die Differenzkarte für den Winter (Dezember, Januar, Februar = DJF) einen Anstieg um 8 Tage pro Dekade für Niederschlagstage >20 mm hauptsächlich in den Mittelgebirgsregionen auf.
Für die Windgeschwindigkeit ist bislang ebenfalls noch kein signifikanter Trend festzustellen. Lange Reihen der mittleren Windgeschwindigkeit zeigen einige periodische Schwankungen, noch aber kann man nicht von einem Trend sprechen (siehe auch „Klimatrends in Deutschland“).
Zu erwartende Klimaänderungen bis 2100
Global
Der anthropogene Treibhauseffekt verursacht Veränderungen im Klimasystem, deren Ausmaße und Auswirkungen wegen der vielfältigen komplexen Wechselwirkungen für die Zukunft nur durch Modellrechnungen nachgebildet werden können. Aus Szenarienrechnungen lassen sich folgende mögliche zu erwartende Klimaänderungen für das 21. Jahrhunderts ableiten [1]:
Bis zum Jahr 2100 wird von einem mittleren globalen Temperaturanstieg zwischen 1,8 (mit einer Schwankungsbreite von 1,1 – 2,9) und 4,0 (mit einer Schwankungsbreite von 2,4 – 6,4) °C ausgegangen (siehe Abb. „Multimodell-Mittel und geschätzte Bandbreite für die Erwärmung an der Erdoberfläche“). Eine solche Temperaturänderung wäre größer als alle während der letzten Jahrhunderte beobachteten natürlichen Temperaturschwankungen. Sie erfolgen mit einer Schnelligkeit, wie sie in den letzten 10 000 Jahren nicht vorkam.
Werden die Treibhausgasemissionen nicht verringert, ist eine Erwärmung um 0,2 °C pro Dekade für die nächsten 30 Jahre sehr wahrscheinlich.
Selbst bei einer Stabilisierung der Treibhausgaskonzentrationen bis 2100 wird sich das Klima über das 21. Jahrhundert hinaus ändern und insbesondere der Meeresspiegel weiter steigen.
Der Meeresspiegel reagiert wegen der großen Wärmeaufnahmekapazität langsamer auf den Klimawandel. Einmal eingetretene Veränderungen werden dann aber über viele Jahrhunderte anhalten. Im Vergleich zum Zeitraum von 1980 bis 1999 wird bis zum Ende des 21. Jahrhunderts von einem Anstieg des Meeresspiegels für ein niedrigeres Szenario zwischen 18 und 59 cm und für ein höheres Szenario zwischen 26 und 59 cm ausgegangen (IPCC 2007). Aktuelle Beobachtungen zeigen beschleunigte Eisdynamik in polaren Gebieten, die noch nicht in den Klimamodellen berücksichtigt sind. In jüngeren Fachveröffentlichungen (nach dem IPCC Bericht 2007) weisen die Projektionen höhere Werte auf. So wird nach Erkenntnissen des AMAP (Arctic Monitoring and Assessment Program, Mai 2011) bis 2100 mit einem Anstieg von 0,90 bis 1,60 m gerechnet. Insgesamt sind die Aussagen über die zu erwartende Entwicklung des Meeresspiegels noch immer sehr unsicher.
Ganze Kontinente und Meeresbecken weisen deutliche Klimaänderungen auf. Modelle zeigen, dass sich diese Trends auch im 21. Jahrhundert fortsetzen. Auch die regionalen Klimamuster ändern sich.
- Arktis: Die durchschnittlichen Temperaturen stiegen in den vergangenen 100 Jahren doppelt so schnell wie im globalen Durchschnitt. Arktische Dauerfrostböden wurden seit den 1980er Jahren im Allgemeinen um 3 °C wärmer.
- Meereis: Satellitendaten zeigen seit 1978, dass die durchschnittliche jährliche Ausdehnung um 2,7 % pro Jahrzehnt geschrumpft ist, im Sommer sogar um 7,4 %.
- Niederschläge: Von 1900 bis 2005 wurden in vielen Regionen langfristige Veränderungen beobachtet. Bereits jetzt unter Wassermangel leidende Gebiete können noch trockener werden. Zunahme der Niederschläge: östliche Teile Nord- und Südamerikas, Nordeuropa und Nord- und Zentralasien; Austrocknen: Westafrika (Sahel), Mittelmeerraum, südliches Afrika und Teile Südasiens; Dürren in den Tropen und Subtropen sind länger und intensiver geworden.
- Meteorologische Extremereignisse: Die Häufigkeit von Starkniederschlägen hat zugenommen, dies stimmt mit erwärmungsbedingter Zunahme des Wasserdampfgehalts der Lufthülle überein. Temperaturextreme: Kalte Tage und Nächte sowie Frost sind seltener und heiße Tage und Nächte sowie Hitzewellen sind häufiger geworden. Fortsetzung des Trends im 21. Jahrhundert.
- Regionale Klimaänderung: Die räumliche Verteilung des Erwärmungstrends der letzten 50 Jahre wird sich ohne Klimaschutz fortsetzen, insbesondere die Landmassen und die hohen nördlichen Breiten sind betroffen. Danach steigen die Temperaturen dort stärker als im globalen Durchschnitt. Damit würde die für den grönländischen Eisschild kritische Temperaturschwelle erheblich überschritten; er würde bei anhaltend hoher Erwärmung komplett abschmelzen und den Meeresspiegel langfristig um 7 Meter steigen lassen. Die paläoklimatische Information hierzu ist verlässlich: Eine ähnlich hohe Temperatur herrschte in dieser Region vor 125 000 Jahren in der letzten Zwischeneiszeit. Gerade aus der paläoklimatischen Perspektive hat die jüngste, rasche Erwärmung binnen 150 Jahren einen „unnatürlichen Charakter“.
- Versauerung: Zunehmende Versauerung des Weltozeans löst Kohlenstoffsedimente auf. Betroffen sind etwa Korallenriffe und einige Planktonorganismen (Nahrungskette).
Neben diesen allmählichen klimatischen Veränderungen könnten auch schnelle Änderungen im Klimasystem erfolgen, die als abrupte Klimaänderungen bezeichnet werden. Die Folge sind mit hohem Tempo ablaufende Klimaänderungen, die mit gravierenden Auswirkungen einhergehen. Anhand des heutigen Wissensstandes wird das Eintreten eines solchen Ereignisses für die nächsten Jahrzehnte als gering wahrscheinlich eingeschätzt. Das tatsächliche Risiko des Eintretens einer abrupten Klimaänderung lässt sich allerdings schwer einschätzen, da es sich um nichtlineare Prozesse handelt und die kritischen Grenzen nicht exakt bekannt werden können. Beispiele möglicher Ereignisse abrupter Klimaänderungen sind:
- Zusammenbruch der thermohalinen Zirkulation (Abbruch des Golfstroms) infolge Erwärmung oder Verdünnung des salzreichen Wassers im Nordatlantik,
- Zerfall des West-Antarktischen Eisschildes und damit einhergehender Meeresspiegelanstieg um einige Meter,
- beschleunigtes Abschmelzen des Grönländischen Eisschildes und damit Einleitung eines irreversiblen Abschmelzprozesses,
- steigendes Risiko des Auftauens von Permafrostböden und damit Freisetzung großer Methanmengen durch zunehmende Erwärmung,
- zusätzliche Freisetzung von Kohlendioxid und damit Verstärkung des Klimawandels durch großflächiges Absterben des Regenwaldes zum Beispiel im Amazonasgebiet.
Um eine gefährliche anthropogene Störung des Klimasystems zu verhindern, ist es erforderlich, die globale Temperaturerhöhung langfristig auf maximal 2 °C über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen, wie beispielsweise der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) in seinem Sondergutachten zeigt [3]. Neuere wissenschaftliche Ergebnisse, wie sie auf einem IPCC-Workshop zur Klimasensitivität [4] vorgestellt wurden, weisen darauf hin, dass dieses Temperaturlimit mit hinlänglich großer Sicherheit nur unterschritten werden könnte, falls es gelänge, die Treibhausgaskonzentration bei 400 ppm CO2-Äquivalenten zu stabilisieren. Um eine derartige Stabilisierung zu erreichen, ist es erforderlich, dass die globalen Emissionen noch höchstens etwa bis zum Zeitraum 2015 bis 2020 steigen dürfen, um dann bis 2050 auf unter die Hälfte des Niveaus von 1990 zu sinken. Nach dem Sondergutachten des WBGU [3] müssen deutliche Minderungen nicht nur von Kohlendioxid, sondern auch der anderen Treibhausgase (insbesondere von Methan und Lachgas sowie der fluorierten Verbindungen) und anderer indirekt klimawirksamer Stoffe (zum Beispiel Ruß) erfolgen.
Auf der Basis einer fairen Lastenteilung ist für die Industrieländer von der Notwendigkeit einer Minderung der Treibhausgasemissionen um 80 % bis 2050 gegenüber 1990 auszugehen.
Europa
Aus Szenarienrechnungen werden folgende wesentliche Klimaänderungen abgeleitet:
- Mittlere Temperaturzunahmen von 1990 bis Ende des 21. Jahrhunderts um 1,0 bis 5,5 °C, wobei die Erwärmung in Ost- und Nordeuropa im Winter und in Südwesteuropa und dem Mittelmeerraum im Sommer am stärksten ausfällt [2],
- Die Temperaturzunahme kann in Teilen Frankreichs und der Iberischen Halbinsel 6 °C übersteigen [2],
- Allgemein nehmen die jährlichen Niederschläge in Nordeuropa zu und in Südeuropa ab. Jahreszeitlich werden insbesondere im Winter zunehmende Niederschläge für Mittel- und Nordeuropa projiziert, während die Projektionen für viele Teile Europas trockenere Sommer zeigen.
- Hitzewellen werden häufiger, intensiver und nehmen in ihrer Andauer zu. Im Winter nehmen die kalten und Frosttage weiter ab. Am stärksten werden die Iberische Halbinsel, Mitteleuropa einschließlich des Alpenraumes, Ostküste der Adria und Südgriechenland durch extreme Temperaturen beeinflusst.
- Starkniederschlagsereignisse nehmen in ganz Europa weiterhin zu. Besonders in Südeuropa nehmen Dürreperioden in ihrer Andauer und Häufigkeit zu.
- Insgesamt ist zu erwarten, dass vor allem der Süden Europas durch negative Effekte als Folge von Klimaänderungen betroffen sein wird, so dass besonders in mediterranen Regionen Wüstenbildung, Wasserknappheit und Waldbrände zunehmen werden.
Deutschland
Zur Einschätzung regional differenzierter künftiger Klimaentwicklungen in Deutschland ist die räumliche Auflösung der globalen Klimamodelle zu grob. Daher werden Regionalisierungsverfahren eingesetzt, bei denen sowohl statistische als auch dynamische regionale Klimamodelle (auch „Regionalmodelle“ genannt) sowie jeweils die Informationen aus den Berechnungen der Globalmodelle zur Anwendung kommen [5].
Für die Projektion des zukünftigen Klimas für Deutschland auf regionaler Skala wurden diejenigen Klimaprojektionen herangezogen, die zum einen auf der Grundlage des Emissionsszenarios A1B und zum anderen bis zum Ende des 21. Jahrhunderts berechnet wurden. Es liegt somit nicht mehr nur ein Ensemble von vier, sondern von 19 regionalen Klimaprojektionen vor. Wegen der vergleichsweise hohen Zahl an verfügbaren Klimaprojektionen wurde zur Darstellung einer Spannbreite eine statistische Auswertung über Quantile [6] des Gesamtensembles einer expliziten Darstellung der einzelnen Ensemblemitglieder − und damit einer absoluten Spannbreite – vorgezogen (siehe APA Anhang H 1, S. 4) [7].
Für die Auswertung des so definierten Ensembles von Klimaprojektionen wurden die Änderungssignale für eine "nahe" (2021 bis 2050) und eine "ferne" (2071 bis 2100) Zukunft, relativ zu der Referenzperiode "1961 bis 1990", analysiert.
Für die Änderung des Jahresmittels der Lufttemperatur für den Zeitraum 2021 bis 2050 ist für Deutschland eine Zunahme von mindestens 0,5 °C wahrscheinlich. Dabei ist eine Temperaturzunahme um mehr als 2 °C (Norddeutschland) bzw. 2,5 °C (Süddeutschland) jedoch eher unwahrscheinlich. Für den Zeitraum 2071 bis 2100 kann eine Erhöhung der mittleren Lufttemperatur von mindestens 1,5 °C und maximal 3,5 °C in Norddeutschland bzw. 4 °C in Süddeutschland als wahrscheinlich angesehen werden.
Die Kennzahl "Heiße Tage" stellt mit einer Auszählung der Tage mit Tagesmaxima von mindestens 30 °C eine Maßzahl für ein "extremes Wetter" dar: Es sind für die Menschen häufig Tage mit hoher Wärmebelastung. Sowohl für den Zeitraum 2021 bis 2050 wie auch von 2071 bis 2100 ist es wahrscheinlich, dass die Anzahl "Heißer Tage" zunehmen wird (siehe Abb. „Projizierte Änderung der Anzahl Heißer Tage“). Bis zur Mitte des Jahrhunderts ist es dabei wahrscheinlich, dass eine Zunahme um fünf bis zehn "Heiße Tage" in Norddeutschland bzw. zehn bis fünfzehn "Heiße Tage" in Süddeutschland nicht überschritten wird. Für das Ende des Jahrhunderts ist eine maximale Zunahme der "Heißen Tage" um 10 bis 15 Tage (Norddeutschland) bzw. 30 bis 35 Tage (Südwestdeutschland) wahrscheinlich. Den Projektionen einzelner Klimamodelle zu Folge besteht jedoch auch eine geringe Wahrscheinlichkeit dafür, dass für den gesamten betrachteten Zeithorizont die Zahl der "Heißen Tage" in Deutschland im Wesentlichen unverändert bleibt.
Die jahreszeitlich unterschiedliche Entwicklung der Niederschläge erfordert eine differenzierte Betrachtung (siehe Abb. „Projizierte relative Änderung des mittleren Sommerniederschlages“). Allgemein zeigt sich eine Tendenz zur Niederschlagsabnahme in den Sommermonaten (Juni, Juli, August = JJA), während in den Wintermonaten (Dezember, Januar, Februar = DJF) eine Niederschlagszunahme wahrscheinlich ist. Die projizierten relativen Änderungen des mittleren Sommerniederschlags weisen eine Spanne zwischen einer sehr geringen und einer Abnahme von bis zu 15 % für den Zeitraum 2021 bis 2050 und bis zu 25 % für den Zeitraum 2071 bis 2100 aus. Einige wenige Klimamodelle zeigen für vereinzelte Regionen auch eine leichte Zunahme der Sommerniederschläge. Die Modellrechnungen lassen für den Zeitraum 2021 bis 2050 eine eher geringe Zunahme der Winterniederschläge erwarten, die Werte von 10 % wahrscheinlich nicht überschreiten werden. Auch für den Zeitraum 2071 bis 2100 ist eine Zunahme von mehr als 15 % unwahrscheinlich.
[1] Intergovernmental Panel on Climate Change
(IPCC), Fourth Assessment Report AR4, WG I, 2007
[2] European Environment Agency (EEA): EEA Report No 4/2008
[3] Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU), Sondergutachten 2003: Über Kioto
hinaus denken – Klimaschutzstrategien für das 21. Jahrhundert
[4] Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) Working Group I: Workshop on Climate Sensitivity. Ecole Normale Superieur; Paris, France, 26-29. July 2004, Workshop Report, September 2004, Boulder, Colorado, USA
[5] Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel, vom Bundeskabinett am 17. Dezember 2008 beschlossen
[6] Zur Ableitung interpretierbarer Spannbreiten wurden die 15 % und 85 %Quantile des Klimaprojektionsensembles flächenhaft bestimmt. Diese können grundsätzlich wie folgt interpretiert werden:
15 %Quantil:
Mit einer 85 %igen
Wahrscheinlichkeit werden die dargestellten Änderungssignale im Ensemble überschritten; d.h. 85% der Projektionen prognostizieren höhere und 15% die dargestellten oder niedrigere Änderungsraten.
85 %Quantil:
Mit einer 85 %igen
Wahrscheinlichkeit werden die dargestellten Änderungssignale im Ensemble nicht überschritten, d.h. 85% des Ensembles prognostizieren die dargestellten oder niedrigere Änderungsraten und 15% prognostizieren höhere Änderungsraten. Der Bereich zwischen den gewählten unteren und oberen Schranken umfasst somit eine Eintrittswahrscheinlichkeit von 70% bezüglich des betrachteten Ensembles.
[7] „Aktionsplan Anpassung“ der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel vom Bundeskabinett am 31. August 2011 beschlossen; Anhang H1 auf Basis von Berechnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD)

