Suche

Abbildungen
Tabellen
Hintergrundinformationen
DPSIR-System
Zuordnung des Themas
Response (Reaktion)Verwandte Themen |
|
|---|---|
| D | Verpackungsaufkommen und Verwertung von Verpackungsabfällen |
| D | Abfallaufkommen |
-
Daten zur Umwelt - Umweltzustand in Deutschland -
Abfall- und Kreislaufwirtschaft -
Papierverbrauch und Verwertung von Altpapier
Papierverbrauch und Verwertung von Altpapier
Die Steigerung des Altpapiereinsatzes in der Papierindustrie von 49 auf 70 % in den letzten 20 Jahren führt zu einer deutlichen Verringerung der spezifischen Umweltbelastungen von Papier wie Holz-, Wasser- und Primärenergieverbrauch. Diese spezifische Verbesserung wird jedoch durch den steigenden Papierkonsum relativiert. Ein zunehmendes Problem für das Altpapierrecycling stellen Verunreinigungen aus Druckfarben, Klebstoffen und Papierhilfsstoffen dar. Hier gilt es zukünftig, neben den quantitativen Zielen vermehrt den Blick auch auf die Verfolgung qualitativer Ziele zu richten.
Im Jahre 2010 lag der Verbrauch von Papier, Pappe und Karton in Deutschland bei 242,9 kg pro Einwohner. Dies entspricht einem Gesamtverbrauch von 19,9 Millionen Tonnen (Mio. t). Das Altpapieraufkommen, also die vom Altpapierhandel und den privaten und kommunalen Entsorgern erfasste und der Papierindustrie zugeführte oder exportierte Altpapiermenge, lag 2010 bei 15,4 Mio. t. Dies ergibt eine Altpapierrücklaufquote von rund 78 % (siehe Tab. „Papiererzeugung, Papierverbrauch und Altpapierverbrauch“). In der deutschen Papierindustrie wurden 16,3 Mio. t Altpapier verwertet (siehe Abb. „Altpapierverwertungsquote“). Die Altpapiereinsatzquote - der Altpapieranteil an der gesamten inländischen Papierproduktion (2010: 23,2 Mio. t) - lag damit bei etwa 70 %. Die Altpapiereinsatzquote einzelner Papiersorten, beispielsweise bei den Wellpappenrohpapieren oder bei Zeitungsdruckpapier, lag über 100 %, da bei der Aufbereitung von Altpapier Sortierreste und alle Verunreinigungen, welche die Qualität des Neupapiers beeinträchtigen, abgeschieden werden müssen (siehe Tab. „Altpapiereinsatzquoten“). Bei diesen Sorten sind nur noch geringe Steigerungen zu erwarten. Steigerungsmöglichkeiten des Altpapiereinsatzes bestehen dahingegen noch bei den Zeitschriftenpapieren sowie Büro- und Administrationspapieren, aber auch den Hygienepapieren, was allerdings eine Nachfragesteigerung seitens der Verbraucher voraussetzt.
Durch die Steigerung des Altpapiereinsatzes ist es der deutschen Papierindustrie gelungen, die spezifischen Umweltbelastungen zu verringern. So sank beispielsweise der mittlere Energieeinsatz bezogen auf erzeugtes Papier von 3,413 MWh/t im Jahr 1990 auf 2,726 MWh/t im Jahr 2000. In den folgenden Jahren ist wieder ein leichter Anstieg auf ca. 3,1 MWh/t im Jahr 2010 zu verzeichnen. Dies ist auf Maßnahmen zur Qualitätssteigerung (aufwändigere Sortierung, höhere Weißegrade, glattere Oberfläche) zurückzuführen. Absolut gesehen wurde die Effizienzsteigerung durch die Produktionssteigerung im selben Zeitraum kompensiert: Der Gesamtenergieeinsatz stieg von 190 PJ (1990) auf 299 PJ (2007). Seit 2007 sinkt der Gesamtenergieeinsatz dank steigender Energieeffizienz leicht und pendelt auf Grund des schwankenden Papierverbrauches zwischen 230 und 250 PJ (2010) auf hohem Niveau [1]. Damit kommt einem maßvollen Papierverbrauch besondere Bedeutung für weitere positive Umwelteffekte zu.
Für das mengenmäßig wichtige Segment der grafischen Papiere – also Papiere, die für Zeitungen, Zeitschriften, Schreib- oder Kopierpapiere verwendet werden – hat das Umweltbundesamt untersuchen lassen, welche Umweltwirkungen während des gesamten Lebensweges dieser Papiere entstehen und welche Umweltentlastungspotenziale der Einsatz von Altpapieren im Produktionsprozess bietet. Die wichtigsten Ergebnisse sind:
- Es ist wesentlich umweltverträglicher, grafische Papiere aus Altpapier herzustellen, als dafür frische Fasern aus dem Rohstoff Holz zu benutzen.
- Am Beispiel gestrichener Zeitschriftenpapiere (LWC-Papier) fällt der Vergleich zwischen altpapierhaltigem und ausschließlich auf Holz basierenden LWC-Papieren eindeutig zu Gunsten des altpapierhaltigen Produktes aus: Vorteile ergeben sich besonders in den Wirkungskategorien Naturraumbeanspruchung, Treibhauspotenzial, Knappheit fossiler Energieträger, Photooxidantienpotenzial (Sommersmog), aquatisches und terrestrisches Eutrophierungspotenzial sowie bei den Indikatoren Ökotoxizität (Giftigkeit für die Umwelt) und Humantoxizität (Giftigkeit für den Menschen).
- Es ist wesentlich umweltverträglicher, Altpapier wieder zu recyceln und daraus neues Papier herzustellen, als Altpapier zu verbrennen, um daraus Energie zu gewinnen. Altpapier auf Abfalldeponien zu beseitigen, ist aus Umweltschutzsicht die schlechteste Lösung.
Ein höheres Altpapierrecycling ist für praktisch alle betrachteten Wirkungskategorien günstiger zu bewerten: Dies betrifft die Knappheit fossiler Energieträger, Treibhauspotenzial, Sommersmog, Versauerungspotenzial und Überdüngung von Böden und Gewässern. Für Altpapierrecycling spricht auch, dass mehr Holz auf den Waldflächen verbleibt und infolgedessen das Naturraumpotenzial, also der Anteil der Waldflächen, die vom Menschen weniger intensiv bewirtschaftet werden, ansteigen kann.
Wegen der engeren Schließung von Stoffkreisläufen, der hohen Zahl an Recyclingzyklen der Fasern sowie der Entwicklung neuer Produkte und Verarbeitungsmethoden, welche nicht immer auf ihre Auswirkungen auf die Recyclingkreisläufe geprüft werden, treten immer wieder – teilweise - deutlich erhöhte Gehalte an unerwünschten faseraffinen hydrophoben Stoffen in den Altpapierkreisläufen auf. Diese Verunreinigungen gefährden den Einsatz von Altpapier zum Beispiel als Lebensmittelkontaktpapier. Einige Verunreinigungen werden nicht bei der Papierherstellung, sondern von den Unternehmen, die Papier nutzen und weiter verarbeiten, wie den Wellpappenherstellern, Druckern und Verpackern, eingetragen. Diese sind mitunter nicht ausreichend sensibilisiert oder motiviert, nur Stoffe einzusetzen, die für das Recycling unkritisch sind. Hier gilt es, durch ein vernetztes Denken und Handeln bei allen Beteiligten die erforderliche Sensibilität zu schaffen, damit das erreichte hohe Verwertungsniveau bei Altpapier nicht gefährdet wird und durch die Verwertung von Altpapier auch zukünftig ein wichtiger Beitrag zum ressourceneffizienten Umgang mit Rohstoffen geleistet werden kann. Das Umweltbundesamt setzt sich für eine Vermeidung von Verunreinigungen möglichst an der Quelle ein.
[1] Verband Deutscher Papierfabriken e. V., Papier 2011, Ein Leistungsbericht, Tabelle N27

