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VII 1

Bevölkerung und demographischer Wandel

Der vor allem durch Bevölkerungsrückgang, Alterung und Wanderungsbewegungen geprägte demographische Wandel wirkt sich – regional unterschiedlich ausgeprägt - auf Umweltnutzung und -zustand in Deutschland aus. Dies birgt Chancen und Risiken für die Umwelt.

Die Bevölkerung Deutschlands nimmt in den nächsten Jahrzehnten deutlich ab. Zugleich ändert sich ihre Zusammensetzung: Die Zahl der älteren Menschen steigt, weil die geburtenstarken Jahrgänge der 1960er Jahre ab dem Jahr 2020 sukzessive das Rentenalter erreichen. Parallel dazu sinkt nicht nur die Zahl der unter 20-Jährigen, sondern auch die Zahl der Erwerbsfähigen.

Zusätzlich zu den sogenannten "natürlichen Bevölkerungsbewegungen", die durch Geburten, Alterung und Sterbefälle gekennzeichnet sind, wird die demographische Entwicklung auch durch Wanderungsprozesse geprägt. Im Gefolge der wirtschaftlichen Entwicklung findet eine Binnenwanderung der Erwerbstätigen von wirtschaftlich schwachen in wirtschaftlich starke Regionen statt. Hinzu kommen Migrationsbewegungen über die deutschen Grenzen hinweg. Hierdurch erhöhte sich in den letzten Jahrzehnten der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund.

Alle diese Faktoren haben nicht nur Auswirkungen auf unser Wirtschafts- und Sozialsystem, sondern auch auf die Nutzung und den Zustand der Umwelt. Beispiele sind  

  • die Nutzung der Bodenfläche für Siedlung und Verkehr (die Zersiedlung durch neue Baugebiete dürfte sich verlangsamen, innerhalb der Siedlungen wachsen Leerstände und Brachen; vor allem Ortsverbindungsstraßen im ländlichen Raum werden weniger intensiv genutzt, müssen aber trotzdem instand gehalten werden),
  • die Ausstattung mit Infrastruktur (Wasserversorgung und Abwasserbehandlung, Abfallbeseitigung, Fernwärmeversorgung und die Versorgung mit öffentlichem Personennahverkehr),
  • die Material- und Energie- und Kosteneffizienz unserer Volkswirtschaft (Material- und Energieaufwand für Wohnen und Mobilität pro Kopf der Bevölkerung),
  • die Konsummuster (zum Beispiel weniger Anschaffungen für die Wohnungseinrichtung, mehr Gesundheitsdienstleistungen), das Umweltwissen (unter anderem abhängig von Sprachkenntnissen und Bildungsstand) und das Umweltengagement (unter anderem auch abhängig vom verfügbaren Zeitbudget),
  • die Belastung von Luft, Wasser und Boden durch Schadstoffe: einerseits entstehen weniger Luftschadstoffe durch den verringerten Bedarf an Gebäudeheizung, wenn weniger Wohngebäude bewohnt werden, andererseits unterbleibt die Revitalisierung von Brachflächen und die Sanierung von belasteten Böden, wenn kein Bedarf an neuen Nutzungen besteht,
  • die biologische Vielfalt, einerseits durch vielfältiges Grün auf Siedlungsbrachen und neue Behausungen für Tiere, zum Beispiel Fledermäuse in leerstehenden Gebäuden, andererseits aber auch durch das Verschwinden einer vielfältigen Kulturlandschaft, die nur durch den Menschen aufrechterhalten wird.

Aus dem demographischen Wandel ergeben sich damit durchaus Chancen für die Umwelt, etwa bei der Rekultivierung von Brachflächen oder der Reduzierung von Schadstoffbelastungen in der Luft, aber auch Risiken durch Effizienzverluste bei der Nutzung von Umweltgütern. Es besteht jedoch die Gefahr, dass die Chancen ungenutzt bleiben und die Risiken sich verschärfen, sofern nicht gezielte Maßnahmen eingeleitet werden.

 

Letzte Aktualisierung

Dezember 2010